Sonntag, 16. September 2007

Mong Kok Ausflug und Chungking Mansions

Ehrlich gesagt hatte ich trotz relativ ausführlicher Lektüre über Hong Kong noch nie etwas von "Mong Kok" gehört. Als Steffen von diesem nördlichen Stadtteil erzählte und den Namen erwähnte, musste ich erstmal nachfragen, was das denn nun sein soll. Woher der Name stammt, weiß niemand so recht, denn "Mong Kok" bedeutet auch schlichtweg nichts. Diese Art der Namenslosigkeit passt aber auch wieder zu diesem stadtgewordenen Chaos: Hier leben und drängen sich mehr als 165.000 Menschen auf einem Quadratkilometer - ein weiterer Weltrekord für Hong Kong, wenn wohl auch keiner, auf den man allzu stolz sein müsste. Denn ein solcher Rekord bringt es mit sich, dass die Leute hier in käfigkleinen Wohnungen unterkommen müssen. Ich habe gehört, dass es wohl auch Wohnungen gibt, die in 8-Stunden-Schichten rund um die Uhr vermietet werden, für 30-40 HK$ (3-4 Euro) pro Schicht! Leider waren wir abends unterwegs, sodass man die dortige Wohnsituation nur anhand der Menschenmassen, die sich hier durch die mit Neonreklamen bespickten Straßen drängeln, erahnen konnte. Mong Kok ist laut, überfüllt, hektisch und die Straßen und öffentlichen Verkehrsmittel sind gebaut für die Massenabfertigung von Menschen. Beispiel: Die U-Bahn. Heißt hier MTR. Das steht für Mass-Transit-Railway. Das Ding trägt den Namen zu Recht. Dieser High-Tech-Zug kommt alle 3 Minuten und füllt einen 400 meter langen Untergrundbahnsteig (von denen es mehrere auf mehreren übereinander liegenden Untergrundetagen gibt!) vollends aus. Und die Züge werden immernoch voll. Ein Wahnsinn. Die Pariser Metro (zugegeben, die hat ein größeres Streckennetz) kann meiner Erinnerung nach in puncto Fahrgäste nicht ansatzweise mit dem Schauspiel hier mithalten. Ich würd gerne wissen, was passiert, wenn der öffentliche Nahverkehr hier mal streikt...


Das ist die Nathan Road auf der Höhe von Mong Kok. Die Straße ist benannt nach einem englischen Gouverneur aus dem 19. Jahrhundert. Der hatte damals die Idee, künstlich eine kilometerlange Straße für Hong Kong anzulegen, die geradewegs von Nord nach Süd bis ans Meer führt. "Dies soll die Hauptstraße sein und eines Tages wird hier großer Handel getrieben und viele Geschäfte werden hier entlang sein...", so in etwa seine Worte bei der Planung. Die Leute in dem damals verschlafenen Fischerstädtchen Hong Kong (heißt übrigens "duftender Hafen") lachten den damals nur aus. Hätten die gewußt, was aus der Straße werden sollte, hätten sie wohl nichts gesagt, sondern nur klein und häßlich mit dem Kopf genickt.



Orangensaft und Karottensaft frisch gepresst mitten an der Hauptstraße. Für umgerechnet etwas weniger als einen Euro für ein großes Glas. Da kann man schon mal zuschlagen! ;-)


Abseits der mit Lichtreklamen bepflasterten Hauptstraße ist es nicht mehr ganz so hell und glamourös, aber trotzdem keineswegs uninteressant-da gibt es zum Beispiel einen Markt, bei dem man zu sehr günstigen Preisen einkaufen kann. Im Grunde gibt es hier fast alles: gefälschte Markenklamotten wie Sonnenbrillen, Kravatten und Hosen, technische Geräte wie Radios, Ferngläser und Taschenlampen, Tourikram, alte Mao-Plakate, Reizwäsche aller Art, Chinawaffen wie Nunchakus und Schwerter und sogar Nahrungsmittel. Handeln erwünscht! Natürlich ist auch jede Menge Schund dabei. Der Reiz an diesem Markt liegt insbesondere darin, dass die Chinesen nicht nur verkaufen, sondern auch Dienstleistungen anbieten. Da gibt es den Musiker, der einen Generator mitgebracht hat, um Strom für sein E-Piano zu haben, auf dem er chinesische Volkslieder spielt, oder gar Sängerinnen, die ihr Publikum, das auf zwei von ihr aufgestellten wackeligen Bierbänken sitzt, unterhält und dabei aus einem etwas in die Jahre gekommenen Kühlschrank Getränke verkauft. Oder Wahrsager: Tarot ist hier absolut hip und aus der Hand lesen ist auch stark vertreten. Diese Leute haben guten Zulauf: Die Chinesen sind Spieler (das merkt man an jeder Straßenecke) und lassen nichts unversucht bei der nächsten Pferdewette, beim Hunderennen, Mahjong oder dem guten alten Lotto gut abzuschneiden. Insgesamt hatte das Ganze ein etwas zigeunermäßiges, aber nicht unsympathisches Flair. Man hat auch überhaupt nicht das Gefühl, dass die hier auf weiße Touristen warten, um sie abzuzocken. Davon gibt es hier auch einfach zu wenige. Nein, im Gegenteil, man hat eher das Gefühl hier bei etwas dabei zu sein, was von Chinesen und für Chinesen ist.


Das hier sind die Chungking Mansions. Die liegen auch an der Nathan Road, allerdings weiter südlich. Ich habe ja schon vorher ein wenig darüber geschrieben. Genau das Gegenteil von dem Markt oben, gibt es hier eigentlich gar keine Chinesen, weder als Käufer noch als Verkäufer. Hier sind nur "Ausländer" (in Hong Kong nennt man die Expats, von lat. ex patria, also Leuten, die aus ihrem Heimatland raus sind), und zwar insbesondere Afrikaner und Araber. Jeder hat hier seinen Laden und will verkaufen. Alles ziemlich unaufgeräumt und voll mit unseriösen Typen. Bei vielen hier ist es offensichtlich, dass die eigentlich gar nichts zu tun haben, sondern einfach nur herumlungern und die Zeit totschlagen.



Das zweite Stockwerk der Chungking Mansions. Leider nicht so gut zu erkennen: Die Stromkabel hängen teilweise einfach von der Decke herunter und laufen offen von A nach B. In den dreizehn Stockwerken ab der 3. Etage sind dann nur noch Billighotels per Fahrstuhl zu finden. Nett, hier in der "Lobby" kann man schonmal seine Zimmernachbarn von oben kennenlernen :-)

Samstag, 8. September 2007

Rei in der Tube & Wäsche aufhängen wie ein Südländer



Tjaja Ron, zwei Wochen in einem Land mit 30 Grad und Du brauchst frische Wäsche - Jetzt geht der Ernst des Lebens los und Du bist der Hausmann! Damit nicht jeder denkt "der Ron lebt da in Asien doch wie im Paradies", kommt jetzt erstmal dieser Teil, bevors zu den schönen Fotos geht...


Ich habe diesen ruhigen Nachmittag (Daniel und Stefan waren erschöpft zum Flughafen und Steffen hatte seine Samstagsvorlesung) genutzt, um mich dem mir eher unbekannten Metier des Wäschewaschens und Wäschetrocknens in Hong Kong zu widmen. Es ist nicht so, dass ich noch niemals selbst Wäsche gewaschen hätte. Mutti hat zwar meistens alles gemacht, aber so ganz ahnungslos bin ich ja doch nicht und die Basics sind mir eigentlich vertraut. Aber heute wurden meine Künste schon auf die Probe gestellt. Wir haben zwar eine Waschmaschine, aber die ist zur Zeit kaputt. Also Handwaschen. Kein Ding, ich hab ja Rei in der Tube. Wodrin soll ich waschen, das Küchenwaschbecken ist verstopft und die Vermieterin kommt mit der Reparatur nicht voran und das mini Toilettenwaschbecken reicht gerade mal für die Socken? Größter Behälter im Haus ist eine Plasikschüssel, die vorher immer (sinnlos?) neben dem Klo gestanden hat. Die soll meine Waschwanne sein. Das ging doch ganz gut. So, gewaschen ists. Und jetzt trocknen! In meiner Hochhausnachbarschaft trocknen sehr viele ihre Wäsche außerhalb. Innen ist nämlich kaum Platz und die Sonne und der Wind helfen bestimmt beim Trocknen. Vor jedem Fenster sind dafür auch Schnüre gespannt, an denen man die Wäsche befestigen kann. Das kann, je nachdem wieviel Wäsche getrocknet werden soll, dazu führen, dass man sich doch sehr weit aus dem Fenster lehnen muss. Wenn man wie ich unter einer gesunden Höhenangst leidet, führt das echt zu Schweißausbrüchen. Und dann lassen sich die Fenster auch nur ganz komisch wie eine Drehtür öffnen, sodass einen irgendwie immer eine nervige Glasscheibe bei der Arbeit stört. Aus Sicherheitsgründen kann das kaum so sein, denn die Öffnung ist keineswegs eng genug, um den Hong Konger Fenster-Sturz zu verhindern.

Die Wäsche habe ich über Drahtbügel gehängt und dann mit Wäscheklammern noch einmal gesichert. Die Drahtbügel habe ich am Haken etwas umbiegen müssen, weil die Wäsche unter den dezenten Windstößen drohte auf die Straße herunterzufallen. Das sieht dann etwa so aus:





Die wertvolleren Sachen habe ich bei diesem Probelauf lieber erstmal innen aufgehängt. Zum Glück habe ich erstmal auch nur dunkle Klamotten rausgehängt: Durch den zwischenzeitlich immer wieder aufkommenden Wind haben sich die Sachen regelmäßig verfangen (natürlich an den rostigen Metallstreben ganz außen...schwitz...). Außerdem müssen die Leute in den Stockwerken über mir auf die Idee gekommen sein, dann an diesem Samstag dann doch mal ihre riesen Klimaanlage anzustellen. Das Kondenswasser tropfte von da an herunter, als würde es regnen. Dabei hatte ich vorher alles so schön ausgekundschaftet und mich für das Fenster entschieden, wo es bisher gerade nicht "geregnet" hat. Naja, ich hatte noch vom Ikea eine große Plastikeinkaufstüte. Die habe ich als Plane zurechtgeschnitten und dann mit den Wäscheklammern quasi als Wasserschutz über der Wäsche befestigt. Haha, sowas hat hier keiner! Hat dem Wind und dem "Regen" bislang standgehalten. Mal schauen was morgen noch so da ist von meinem Kunstwerk ;-)


Juhu, schon wieder Gäste: Unangekündigt kam heute am frühen Abend unsere Vermieterin mit ihrem Vater, ihrem Bruder und Ihrer Mutter in die Wohnung. Anlass für den Besuch war die zugesagte Reparatur der Waschmaschine. Die haben dann irgendwann gemerkt, dass das Band, das die Waschtrommel bewegen soll, ausgeleiert ist und ersetzt werden muss. Das kann man doch gleich hier erledigen! Die haben dann unsere Vermieterin in einen Laden geschickt, was etwa eineinhalb Stunden gedauert hat. In der Zeit haben die hier sich schön den Fernseher angestellt und irgendwelche Doofmannssendungen angeschaut. Die stehen hier voll auf die Soap-Operas. Muss ne tolle Sendung nach Hong Kong Maßstäben sein. Vater und Sohn waren so beschäftigt mit dem Programm, dass die nichtmal mitbekommen haben, dass ich sie fotografiert habe.

Das war dann der Blick, den ich von meinem Zimmer aus hatte. Das Band, was die Vermieterin nach den eineinhalb Stunden mitgebracht hatte, war natürlich ungeeignet. Aber sie hat uns versprochen, dass sie am Montag bein Hersteller eins besorgt. Sollte sie machen, wenn sie die nächste Mietzahlung vollständig haben will. Na ein gutes hat der fehlgeschlagene Reparaturversuch: Ich hab nicht drei von den Plastikschüsseln mit Wäsche umsonst gewaschen. Das verstopfte Küchenwaschbecken funktioniert aber wieder. Na immerhin :)

Besuch von Daniel und Stefan

Sie waren die Ersten, aber hoffentlich nicht die Letzten, die es getan haben: Daniel (erstes Bild vorne rechts) und Stefan (vorne links) sind von Donnerstag bis heute am Samstag Nachmittag bei mir zu einem Kurzbesuch gewesen. Ja, so kann das gehen: Da ist man gerade mal ein paar Tage im fernen Ausland angekommen, hat seine ersten Vorlesungen und möchte sich voll und ganz auf das Studium konzentrieren und schon kommen die lieben Bekannten aus der Heimat einem hinterhergereist! Nein, ehrlich jetzt und Scherz beiseite - ich freue mich über jeden, der mich hier Besuchen kommt und möchte hiermit auch weiter ermutigen, die weite Reise in die asiatische Metropole zu machen. Es lohnt sich wirklich.


Am ersten Abend gingen wir es langsam an. Erstmal was essen. Bei British Airways gabs angeblich nur fiese Bratwurst und die beiden waren hungrig. Nicht ganz Hong Kong typisch, sind wir zum Thailänder und nicht zum Chinesen gegangen. Aber der Unterschied fällt auf den ersten Blick kaum auf, weil sich die beiden Küchen überschneiden. Thailändische Küche ist meistens sehr scharf (Curry!). Gelöscht wird der Gaumenbrand mit sehr leckerer Kokosmilch, die es in mehreren Varianten gibt. Selbst wenn man kein Fan von Kokos ist, wird man diese Milch lieben. Auf dem Bild hier unten ist ein Exemplar davon zu sehen. Man kann an der Anordnung der Gerichte erkennen, dass es in China üblich ist, dass am Essenstisch geteilt wird. Jeder kann von allem probieren. Deshalb steht das Essen in der Mitte. Größere Restaurants haben oft auch drehbare Unterlagen auf den Tischen, damit man leichter ans Essen gegenüber kommt. Der Sinn ist vorallem, dass durch dieses eigenmächtige Handeln die Kommunikation am Tisch nicht unterbrochen wird. Aus gleichem Grund ist es auch üblich, dem Kellner, der gerade etwas an den Tisch bringt, nicht verbal zu danken, sondern lediglich mit dem Finger auf den Tisch zu klopfen. Der Fernseher darf jedoch immer stören: Ich habe hier noch kein Restaurant ohne gesehen.


Danach wollten wir nach Kowloon auf die Festlandseite. Es war allerdings schon nach 0 Uhr. Die Fähren fahren dann nicht mehr, also haben wir ein Taxi genommen. Sechs Euro geteilt durch vier. Na das geht ja noch, auch wenn es um ein Vielfaches teurer ist als die Fährenfahrt für 22 Eurocent.



Großstadt, Großstadt! Der Blick auf Hong Kong Island von der Festlandseite (Kowloon, Tsim Sha Tsui) aus.



In Kowloon ging es ins "Aqua". Das wurde mir noch von unserer französischen Mitbewohnerin empfohlen. Es handelt sich um eine Bar, die im 30. und damit höchsten Stock eines Wolkenkratzers direkt am Wasser (ach!) liegt und von woaus man einen tollen Blick auf die Skyline der Insel hat. Man fährt bequem per hauseigenem Fahrstuhl bis ganz nach oben. Den Blick und das hochkarätige Ambiente lassen die sich aber auch bezahlen: Unser Weißwein zB kostete etwa 8 Euro und war damit noch am unteren Ende des Preissegments.




Hiernach haben wir uns noch ein wenig den Stadtteil Tsim Sha Tsui in Kowloon angeschaut, wo wir unter anderem an den sagenumwobenen "Chungking Mansions" vorbeigekommen sind. Die Chungking Mansions sind 1962 entstanden und damit für hiesige Verhältnisse ein ziemlich altes und recht heruntergekommenes Gebäude, dafür dass es mitten im Zentrum liegt und zwischen den edelsten und teuersten Geschäften. Dieser "Schandfleck" sollte schon vor langer Zeit abgerissen werden, aber die verworrene Eigentumslage im Inneren dieses labyrithartigen Riesenkomplexes, der aus dutzenden Hotels, kleinsten Geschäften, und verwinkeltsten Ecken auf zig Etagen besteht, hat eine solche Maßnahme bisher unmöglich gemacht. Lange Zeit fühlte sich hier auch niemand zuständig, den Müll zu beseitigen, so dass der sich in den Gängen sammelte. Es ist kein Geheimnis, dass hier nicht die Crème de la Crème Hong Kongs wohnt; im Gegenteil, das Gebäude ist gerade aufgrund seiner zwielichtigen Bewohner und seinem Sonderstatus (billig und trotzdem Top-Gegend) so berühmt-berüchtigt geworden. Das Gebäude wird zu einem Großteil von Schwarzen bewohnt. Die haben hier ihre Cummunity. Afrikaner sind in Hong Kong ansonsten eine Seltenheit. Die haben alle etwas komisch geschaut, als wir uns davor fotografiert haben. Und da das auch nicht die besten Zeitgenossen waren, sind wir dann auch recht schnell weitergegangen, ohne es uns von Innen zu betrachten. Wohnen kann man hier schon für etwa 12 Euro die Nacht. Auch ich hatte das schon als Startpunkt in Erwägung gezogen. Steht man allerdings davor, dann ist man doch froh da nicht gelandet zu sein. Einen späteren Besuch zur Tageszeit werde ich mir jedoch nicht nehmen lassen :-)





Die Avenue of Stars. Hollywood hat seine Stars verewigt, und Hong Kong kann das auch-Klassisch mit Handabdruck im Beton! Direkt am Wasser gelegen vorbei an den ganzen Edelhotels. Man ist hier mächtig stolz auf die hiesige Filmindustrie und die heimischen Stars. Dennoch: 95% dieser Stars kennt der Europäer nicht. Naja, man musste das wohl ein wenig mit B-Stars strecken. Sonst wäre die Straße auch zu kurz geworden und das ist ja dann auch peinlich. Die einzelnen "Sterne", also die Verwegigungen der Stars, liegen auch recht weit auseinander, so dass man bei Nacht schon suchen muss, wo denn der nächste ist. Naja, Hong Kong ist halt nicht ganz Hollywood. Insgesamt aber eine gelungene Anlage.




Freitag stand dann zunächst die Fährfahrt an, die wir ja am Tag vorher nicht mehr machen konnten, weil schon geschlossen war. Steffen hatte Vorlesung. Und ich hatte noch ein paar Stunden Zeit, bis meine anfing, sodass ich die Jungs begleiten konnte.

Sehr praktisch: Unser Stadtteil Wanchai hat eine eigene Fähranlegestelle. 5 Minuten zu Fuß und man ist da. Diesmal sind wir aber nicht wieder rüber nach Tsim Sha Tsui. Das kannten wir ja schon von gestern. Nein, wir fahren nach Hung Hom. Das liegt wenige Meilen weiter östlich und nicht ist schon so gut wie gar nicht mehr touristisch geprägt. Die Fährfahrt dauert länger als die nach TST, daher zahlt man auch mehr: 50 Cent für ca. 20 Minuten Tuckerboot fahren. Wir sind fast die einzigen Gäste auf einem Boot, was mit Leichtigkeit 200 Personen aufnehmen könnte.

In Hung Hom angekommen wirkt schon alles viel chinesischer. Es gibt viel mehr einsprachig chinesische Schilder ohne englische Übersetzung. Europäer sehen wir hier so gut wie gar keine. Wir wiederum fallen den Chinesen merklich auf. Sind sogar einmal fotografiert worden.





Nein, das ist nicht schon wieder Christo mit seiner Verhüllungskunst, sondern Wohnhäuser, die hier in Küstennähe aus dem Boden gezogen werden.


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Das hier oben ist der "Hong Kong Duty Free Shop". Eine Touristenfalle sondergleichen. Nur werden hier keine Westler ausgenommen, sondern ahnungslose Festlandchinesen, die massenweise in Bussen herangekarrt und dann mit vermeintlichen Schnäppchen wie Schmuck, wasserresistenten Rasierapparaten im Dreierpack oder farblosen Klamotten aufs Härteste konfrontiert werden. Handeln ist möglich. Aber es gab nichts Tolles. Englisch spricht hier übrigens kaum einer und man wird angeschaut, als hätte man sich verlaufen.



Die "Whampoa". Kein richtiges Schiff, sondern ein Einkaufszentrum mitten in der Stadt.




Der MC Donalds. Eigentlich nicht groß anders als bei uns. Bis auf dass man nur etwa ein Drittel von den deutschen Preisen bezahlt. Auch das Sortiment ist nahezu identisch. Viel interessanter ist allerdings, dass sich hier oft Frauen finden, die Kindern bei ihren Hausaufgaben helfen. Das war bisher in jedem Mäckes so, den ich besucht habe. Meine Vermieterin gibt auch Nachhilfe in Mathe, meinte sie. Eigentlich ist sie hauptberuflich Lehrerin, aber es sind Ferien und so kann sie sich in der schulfreien Zeit etwas "dazuverdienen". Schwarz natürlich. Sollte ich auch machen meinte sie, als "Deutschlehrer", weil ich doch so toll sprechen könnte. Die Bezahlung kann sich sehen lassen - es werden wohl pro Stunde 500 HK Dollar gezahlt. Das wären etwa 50 Euro...

Es gibt die vordere Seite, und es gibt die hintere Seite von Gebäuden. Die Vordere ist die Schokoladenseite, während die Hintere meist etwas verwahrlost aussieht und mit Klimaanlagen verziert ist. Die Straßen sind in solchen Hinterhöfen hier fast immer feucht vom Kondenswasser, das sich an den Außenseiten der Splitklimaanlagen bildet und dann herabtropft. Dennoch ist der Boden in diesen Hinterhofstraßen meist nicht verschmutzt, sondern auffällig sauber.


Leckerli: Alte Fliegenklebebänder vor den Klimaanlagen.

Da ich danach Vorlesung hatte, habe die Jungs für ein paar Stunden zum Shoppen und Erholen geschickt. Abends haben wir uns schnell Fertignudeln gemacht und danach sind wir mit der letzten Tram auf den Peak hoch. Bis auf einen anderen Fahrgast waren wir komplett allein unterwegs...



Ganz schön steil! Die Wellen im Boden geben einem Halt, auch bei 20 Grad Steigungswinkel.



Natürlich ist der Blick von oben klasse. Die Ausguckplattform war zwar geschlossen, aber es gibt genügend Möglichkeiten zu schauen. Ich warte noch auf einige Fotos von Stefan, weil meine Handykamera da ausnahmsweise mit der Belichtung nicht mitgespielt hat. Wir sind dann noch ein wenig die sehr schönen Wanderpfade am Berg entlang gelaufen. Anhand der Pflanzenpracht merkt man erst hier wirklich, dass man sich in den Subtropen befindet.


Wir sind danach runter in die Stadt gefahren und haben noch im Dragon-I, einem der vielen Clubs hier, unseren letzten gemeinsamen Abend ausklingen lassen. Daniel und Stefan sind jetzt weiter nach Bali geflogen und machen dort drei Wochen Urlaub. Auch nicht schlecht. Ich habe aber das Gefühl, dass ich nochmal Besuch von ihnen bekomme, solange ich in Hong Kong bin ;-)

Dienstag, 4. September 2007

Arbeitsalltag in Hong Kong und Hausputz

Es ist fast egal, zu welcher Uhrzeit man in Hong Kong durch die Geschäfte in den Businessbezirken geht. Irgendwie ist immer etwas los. Natürlich gibt es aber auch hier Spitzenzeiten: Das Foto ist in einem Nebengebäude meines Unigebäudes heute um 13 Uhr Ortszeit entstanden, nachdem meine Vorlesung beendet war. Die arbeitende Bevölkerung geht um diese Uhrzeit zum Mittagessen und trifft sich in den schicken Cafés und Restaurants zum Stelldichein. Dies ist einer der unzähligen Wege, die durch die klimatisierten Hochhäuser quer durch die inneren Bezirke der Stadt führt. Nahezu orientierungslos folgt man hier den Schildern, die dem Fußgänger die Richtung zu den nächsten Gebäuden verraten.


Klar kann man auch draußen über die Straße gehen. Aber durch die Gebäude ist es komfortabler: Man hat klimatisierte Räume und ist vom Wetter ziemlich unabhängig. Heute hat es zum Beispiel vormittags etwas geregnet. Dann braucht man eigentlich keinen Regenschirm, der ist bei dem schwülen Wetter doch eh nur Ballast. Lieber durch die Gebäude den Weg bahnen.

Steffen und ich haben mittlerweile eine Route zur Uni gefunden, die nahezu komplett überdacht und klimatisiert ist.

Am Nachmittag stand Hausputz an. Den hatten wir schon die letzten Tage vor uns her geschoben und diesmal gab es keine Ausreden. Insbesondere mussten die ganzen Hinterlassenschaften unserer Vorgänger (alte Bürsten, Handtücher, Zeitschriften, Essensreste im Kühlschrank und alles, was man so in Bädern und Toiletten finden kann) beseitigt werden. Außerdem haben wir ein paar Möbel umgestellt, um den Platz besser nutzen zu können. Nach gut zwei Stunden waren wir damit aber fertig. Das ist der Vorteil, wenn man nicht so viele Quadratmeter hat!


Schnell war er! Bis in die letzte Ecke konnte er fliehen, aber letztlich gab es kein Entkommen mehr für diesen kleinen Lurch. Steffen wollte ihn als Haustier behalten: "Die sind doch nützlich. Wegen Insekten und so.... auch Chinesen halten die immer im Bad!" Aus welchem Buch er das wohl hat. Das müssen wohl die unhygienishen Festlandchinesen sein, von denen sich der Hong Konger immer lästernd abgrenzt. Noch nichtmal in unserer alten "Unterkunft" in Causeway Bay hatten wir Lurche, und das soll auch so bleiben. Außerdem sind wir (noch) keine Chinesen, sondern Europäer, die nicht jeden Mist übernehmen müssen. Und wenn ordentlich sauber ist, dann gibts sowieso kein Ungeziefer.

Steffen war schließlich bereit den Lurch auszuquartieren. Mein Vorschlag, den Kleinen außen aufs Fensterbrett zu setzten, damit er über die Außenfassade eine neue Heimat suchen kann, kam aber etwas zu spät. Naja, sechs Stockwerke Freifall sind noch vergleichbar wenig in der Megacity ;-)

Sonntag, 2. September 2007

Orientation Day an der Uni & Hong Kong Karaoke

Gestern war die Einführungsveranstaltung der Chinese University für uns postgradierte Studenten im Bank of America Tower. Geleitet wurde der Tag von Professor Lutz-Christian Wolff, einem Deutschen, der auch beide Staatsexamina in Deutschland gemacht hat und einige Jahre schon auf Festlandchina tätig war, bevor er nach Hong Kong gegangen ist. Der hat uns als Deutsche natürlich schnell ausfindig gemacht (wir sind insgesamt vier Deutsche und ansonsten nur Chinesen; in zwei Wochen kommen aber angeblich noch ein paar Franzosen dazu) und wir haben uns schon im Vorfeld ein wenig über das kommende Programm mit ihm unterhalten können. Ich werde Prof. Wolff gleich in mehreren Vorlesungen haben, weil er hier der den Lehrstuhl für das Internationale Wirtschaftsrecht inne hat. Bei ihm werde ich auch chinesisches Zivilrecht lernen. Ich denke es ist gut, wenn ein Deutscher Jurist einem Deutschen ausländisches Zivilrecht beibringt, weil er dann genau auf die jeweiligen Unterschiede hinweisen kann.


Die Hörsäle sind alle in einem Top-Zustand. Kaputte Stühle oder bekritzelte Tische gibts in den klimatisierten Räumen hier nicht. Dafür läuft der Videobeamer regelmäßig. Wer es möchte, dann sich sogar einen Notebook kostenlos ausleihen und damit über den unieigenen Server ins Internet gehen. Friedrich-Wilhelms-Universität von und zu Bonn, adieu! ;-)


Mit dem Bus sind wir dann aufs Festland zum Universitätscampus gefahren worden. Das Campusgelände kannten wir ja schon, weil wir uns dort ja am Mittwoch schon die Studentenausweise abgeholt hatten. Dort sind wir dann mit dem Bus über das riesige Campusgelände gefahren worden und es wurden uns die wichtigsten Gebäude vorgestellt. Da wir postgraduierten Studenten aber nicht hier draußen auf dem Festland, sondern auf der Insel studieren werden, war das für uns eigentlich nicht so von Bedeutung. Eventuell werde ich mal in die große Bibliothek hier gehen, wenn eine Hausarbeit ansteht. Das ist es aber auch.

Na sowas. Der Chinese hat einen strikten Zeitplan! Essen war erst um 6 Uhr vorgesehen. Ich hatte mich schon gewundert, warum wir gleich zweimal ums Campusgelände mit dem Bus kutschiert wurden. Das ganze hatte irgendwie etwas von einer Kaffeefahrt an sich. Der Grund war: Wir waren ohne Stau und Verzögerung durch die Stadt gekommen und nun 20 Minuten zu früh, um essen zu gehen! Man hat dann kurzfristig beschlossen mit uns keine dritte Runde zu drehen, sondern uns an einen der höchsten Punkte auf dem Unicampus zu fahren, wo die Aussicht sehr schön ist, und uns dort nochmal aussteigen zu lassen. Links ist Simone, die in Deutschland zur Zeit das zweite Staatsexamen in Bayern macht und in der Mitte ist Frederick, der sein erstes Examen in Düsseldorf gemacht hat. Die beiden studieren das gleiche Programm wie ich.



Um Punkt 6 hielt unser Bus dann vor der großen Campusmensa, wo man einen separaten Bereich mit gedeckten Tischen für uns hergerichtet hatte. Das Essen fand zusammen mit all unsere Professoren statt. Es saß so ziemlich an jedem Tisch einer, damit man sich kennen lernen konnte. Nach den ersten Gängen gab es aber auch ein Bäumchen-Bäumchen-Wechseldich, so dass wir einige von den Profs jetzt schon persönlich kennen. Zur Unterstützung sind auch noch einige Studenten des letzten Jahrgangs dabei gewesen.



Auf der Bühne haben sich die Professoren vorgestellt. Später haben wir auch noch zwei juristische Aufgaben zu lösen bekommen. Von jedem Tisch sollte danach ein Repräsentant auf die Bühne kommen und eine Lösung präsentieren. Auf Englisch natürlich. Hätte ich gewusst, dass ich später der Auserwählte werden sollte, der für unseren Tisch da oben steht, dann hätte ich bei der Aufgabenstellung (die Fragen wurden mündlich vorgelesen und da wir ganz hinten saßen war das kaum mitzubekommen) sicherlich mehr zugehört. Ich denke aber ich hab mich mit meiner etwas anderen Präsentation einer Antwort aber ganz gut geschlagen. Wurde noch den ganzen Abend darauf angesprochen und bin auf einen Schlag mal wieder bekannt ;-)




Das ist die Octopus Card. Ein Allzweckzahlungsmittel in Hong Kong. Man braucht sie insbesondere, wenn man öffentliche Verkehrsmittel benutzen möchte und nicht immer in der Brieftasche nach Kleingeld suchen will. So legt man nur das Portemonnaie auf den Sensor, und schon öffnet sich die Schranke. Praktisch. Sollten wir von denen mal übernehmen.


Achtung: Diese Schranken stehen nicht nur beim Eingang, sondern auch beim Ausgang! Mein erstes Einzelticket hab ich direkt nach der Fahrt noch in der Bahnstation in den Müll geworfen. Am Ausgang musste ich mich dann durch die Schranke mogeln. Der aufkommende Alarm ist dann doch recht laut. Etwa hundert Leute schauen kurz. Ich bleibe stehen und warte darauf, dass ein wütender Beamter auf mich zu kommt und mich auf Kantonesisch beschimpft. Aber es kommt keiner. Auch die hundert Leute sind schon längst weiter gegangen. Also gehe ich auch und verschwinde in der Menge.



Nach dem Uniessen sind wir von einigen unserer Hong Konger Kommilitonen gefragt worden, ob wir nicht mit ihnen in eine Karaokebar fahren wollen. Na klaro! *gg* Also rein in die Bahn und ab nach Tsim Sha Tsui, Kowloon...



Hong Kong Karaoke ist anders. Da geht man nicht einfach in eine stickige Bar, trinkt sich einen und grölt in Richtung Bühne, wo vielleicht gerade irgendjemand "I´ve been looking for freedom" von David Hasselhoff singt. Nein, sowas mag der Chinese nicht. Der Chinese mag Intimität. Daher mietet er sich einfach einen ganzen Raum für sich und seine Freunde für den ganzen Abend! Und von diesen Räumen gibt es dutzende: Das Karaoke-Zentrum, in dem wir waren, hat eine Art Hotellobby. Von dieser Lobby aus geht man durch eine Tür und dann durch riesige, futuristisch beleuchtete und labyrinthartige Gänge, bis man dann bei "seinem" Karaokeraum angekommen ist. Der Raum ist dann ganz gemütlich eingerichtet mit einem netten Sofa und kleinen Tischen mit Getränke- und Speisekarten davor. Man hat einen eigenen Toilettenraum und bestellt Snacks und Getränke per Wandtelefon, woraufhin die Sachen durch Servicepersonal gebracht werden. Vor einem ist eine große Fernsehfläche für die Musikvideos. Alles kann bequem vom Sofa aus per Fernbedienung geregelt werden.


Der Abend fing eigentlich ganz harmlos an. Wir bestellten brav unsere ziemlich teuren und kleinen Getränke, die dann auch kurzerhand geliefert wurden. Nach dem anstrengenden Tag freuten wir Deutschen uns eigentlich auf einen feucht fröhlichen Samstag Abend, aber bei den Preisen und kleinen Getränken nahmen wir erstmal Abstand von dem Vorhaben. Es war ja erst 10 Uhr. Auch die Chinesen gingen eher sehr gemächlich an die Sache ran. Zwar wurde von Anfang an nonstop gesungen, allerdings immer nur ganz langsame und zarte Songs. Auf so richtige Partybrüller stehen die hier bei Karaoke nicht. Auch Alkohol wurde zunächst kaum bestellt, sondern nur auf Softdrinks zurückgegriffen.



Als wir genug Leute waren (die eine Kommilitonin hat noch ihre Freundinnen angerufen), lohnte es sich, das "Pauschalangebot" zu nehmen. Man hat den Raum solange wie man will und hat ein Riesenkontongent (Quota) an Getränken zur Verfügung. Auf einmal standen dann vier Flaschen Black Label vor uns. Die hatten wir nicht bestellt, aber gehörten wohl mit zum Angebot.


Auch die Chinesen haben sich dann nicht mehr lumpen lassen und haben ordentlich zugeschlagen bei den Getränken. Es war noch ein richtig netter Abend mit denen und eine tolle Gelegenheit die Kommilitonen näher kennen zu lernen.


Frank Sinatra: "My Way"